Manuela Rieder aus der Schweiz

tl_files/tanzimpulse/images/Textbilder/Manuela Rieder.jpgMeine ersten Tanzschritte habe ich in der dorfeigenen Trachtentanzgruppe (Folklore) mit 9 Jahren gemacht. Als Teenie tanzte ich 4 Jahre Jazz-Show-Tanz. Während meiner 4-jährigen Ausbildung zur Kindergartenlehrperson genoss ich wöchentlichen Rhythmikunterricht. Während meiner Lehrerberufstätigkeit besuchte ich regelmässig Fortbildungen im Bereich Kindertanz für Multiplikatoren. Zusätzlich besuchte ich Wochenendseminare zum Thema „Kreis- und Mitmachtänze“. Ich tanzte oft mit meiner Kindergartenklasse: spontan, in Alltagsituationen, intensiv und projektartig über längere Sequenzen, mit den Familien und der ganzen Schule.


Durch den Film „Rhythm is it“ kam ich auf den Geschmack der Tanzpädagogik. Ich besuchte in Basel einen Kick-off für mehr Bewegung in der Bildung. Dort nahm ich an einem Workshop mit Royston Maldoom und vielen ausgebildeten Tänzern teil. Ein Theaterpädagoge empfahl mir nach Tanztheaterpädagogik Ausschau zu halten und so stiess ich auf meiner Internetrecherche auf die Tanzimpulse in Köln.

 

Tanzimpulse hatten genau das passende Angebot für mich. Ich verfügte über eine pädagogische Ausbildung, aber ich brauchte mehr methodisches Hintergrundswissen und Tanztraining, um meine Tanzerfahrung zu erweitern. Besonders wichtig: Die dreistufige Ausbildung bei Tanzimpulse schließt mit einem Diplom ab. In der Schweiz kann nur Diplom machen, wer über ein abgeschlossenes Tanzstudium verfügt. Für Leute aus pädagogischen Berufsfeldern gab es nur Zertifikate, und ich wollte unbedingt ein Diplom. Also habe ich im Mai 2006 den Zug nach Köln gebucht und einen Afroworkshop bei Bettina Bierdümpel besucht. Ich war so begeistert, dass ich noch am selben Abend zuhause zur Poststelle lief und meine Anmeldung für die Grundstufe 2006/23 einwarf.


Mit Beginn der Grundstufe startete ich mit intensivem Tanztraining. Ich besuchte wöchentliches Training im Bereich Kreativer Tanz/Ausdruckstanz, Modern Dance und Afro. Mit 29 Jahre begann ich meine Liebe zu Tanz, Musik und Bewegung zu entdecken, auszuleben und intensiv zu pflegen. Während der Grundstufenausbildung unterrichtete ich Eltern-Kind-Tanzen (0-3 Jahre) und kreativen Kindertanz (für 3-8-jährige). In den 5 Jahren meiner Ausbildung wurden aus 2 Gruppen mit 14 Kindern, 4 Gruppen mit 35 Kindern. Durch die Grundstufe bekam mein Leben Auftrieb und erhielt eine neue Richtung. Tanz und auch die Reisen nach Köln waren ein wichtiger Anker und Wegweiser in diesem privat wie auch beruflich sehr schwierigen Jahr. Tanzimpulse wurde für mich zur Persönlichkeits- und Tanzschulung. Für mich war völlig klar, mit der Aufbaustufe weiterzumachen.


Mit der Anmeldung zur Aufbaustufe 2008/10 war auch die Entscheidung getroffen, das Ganze bis zur Diplomstufe durchzuziehen. Die Aufbaustufe war nicht mehr so bewegt und lustvoll wie die Grundstufe, aber eine gute Basis, um tänzerisch und tanzpädagogisch weiterzukommen. Die Diplomstufe stellte für mich in diesen 5 Jahren die grösste Herausforderung dar. Herausfordernd, weil ich meinen inneren Schweinehund überwinden musste, um mir nötige Zeit und Aufmerksamkeit für Materialbeschaffung, Lesen, Schreibarbeiten und Dokumentieren zu schaffen. Denn anders als in der Grund- und Aufbaustufe konnte ich die schriftlichen Arbeiten nicht mehr während der Zugfahrten nach Köln erledigen. Aber das Durchhalten und Anstrengen hat sich gelohnt: Gleich nach dem Schreiben meines tanzpädagogischen Leitbildes war mir klar, dass ich meine Liebe zum Tanz mit meinem Beruf im Kindergarten (Vorschule) verbinden wollte. Mir wurde auch klar, dass ich aus dem Kindertanz raus wollte, um mit Erwachsenen zu arbeiten.

 

Illustration geschützt durch Sibylle RaimannÜber Nacht im Traum kam mir die Idee, unsere Lernzielkarten aus dem Kindergartenlehrplan mit Tanz zu verbinden. So entstand mein Diplomworkshop „TANZ, LERNZIELKARTE, TANZ!©“ für Kindergartenlehrpersonen im Kanton Freiburg. Aus diesem Workshop entstand dann auch meine Diplomarbeit: "Bildung bewegt? TanzCHance! Wie der Kindergartenlehrplan im Kanton Freiburg tanzen lehrt/lernt?“. In einem ersten Theorieteil untersuche ich wissenschaftlich dokumentierte und belegte Transfereffekte und Fördermöglichkeiten, welche Tanz auf Bildung und Schulerfolg hat. Und ich stelle ein paar aktuelle Tanzprojekte vor, welche in Schweizer Schulen stattfinden. Im zweiten, praktischen Teil setze ich mich mit dem Schweizer Sportlehrmittel und dem Kindergartenlehrplan des deutschsprachigen Teils des Kantons Freiburg in Bezug auf Förderung und Empfehlung betreffend Tanz auseinander.

 

Daraus und aus meinem Diplomworkshop ist dann mein Konzept „TANZ, LERNZIELKARTE, TANZ!©“ entstanden. Mit den Lernzielkarten lernen Kinder zusammen mit der Lehrperson zu reflektieren, dass sie lernen, was sie lernen und wie sie lernen. Die Karten sind also ein visuelles Mittel, um das Denken über den eigenen Lernprozess anzuregen. Sie machen Lernziele transparent und Lernprozesse bewusst und sichtbar. Es können Lernstrategien angepasst und weiterentwickelt werden. Die bunten Karten unterstützen das Kind in seinem Lernprozess und helfen bei Reflexion und Selbsteinschätzung. Sie eignen sich für den praktischen Unterricht mit den Kindern wie auch für die Elternarbeit. In meinem Konzept zeige ich Möglichkeiten auf, alle 22 Richtziele aus dem Lehrplan anhand der Lernzielkarten tänzerisch umzusetzen und so den Kindergartenalltag zu bereichern und zu bewegen. Meine Weiterbildungen regen Lehrpersonen an, bewegt und tänzerisch Lernziele umzusetzen, zu ergänzen und zu vertiefen.


Im September 2011 habe ich sehr erfolgreich meine Diplomstufe abgeschlossen. Ich konnte im Anschluss gleich in die obligatorische Weiterbildung des Kantons Freiburg einsteigen. So haben im Herbst 2011 über 130 Kindergartenlehrpersonen die 3-stündige, obligatorische Weiterbildung „TANZ, LERNZIELKARTE, TANZ!©” genossen. Ich kam durch den gleichnamigen Diplomworkshop zu diesem Auftrag. Im Sommer 2012 leite ich weitere “TANZ, LERNZIELKARTE, TANZ!©”-Fortbildungskurse im Rahmen der freiwilligen Lehrerweiterbildung: „Mathematische Beziehungen und Gesetzmässigkeiten lernen tanzen!“ und „Das Lernzielkartenbild lernt tanzen!“ Längerfristig möchte ich mein Konzept auch in den 9 anderen Kantonen, welche mit demselben Kindergartenlehrplan arbeiten, zu den Lehrpersonen bzw. zu den 4-8-jährigen Kindern bringen.


Und so die Bildung zum Tanzen bringen!